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EINE DER MÄCHTIGSTEN REICHSABTEIEN SÜDDEUTSCHLANDS

Kloster und Schloss Salem

Klosteranlage Salem mit Turm, Andreas Brugger, um 1765; Foto: Wikimedia Commons, Urheber unbekannt
EIN WAHRZEICHEN SALEMS

Der Münsterturm

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Münster von Kloster Salem umgebaut. Zwischen 1753 und 1757 entstand ein riesiger Glockenturm mit dem größten Glockenspiel Oberschwabens. Doch der Anblick hatte nur wenige Jahre bestand. 50 Jahre später wurde der Turm abgerissen und viele der Glocken verkauft.

Kloster und Schloss Salem, Münster; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Ewigkeit und Vergänglichkeit – Kloster Salem vereint beides.

DIE NEUGESTALTUNG DES KLOSTERS

Kloster Salem wurde im Jahr 1137 gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Klöster Süddeutschlands. Unter der Herrschaft Abt Anselms II. Schwab, von 1746 bis 1778, erlebte Salem eine Blütezeit – der Abt ließ das Münster neugestalten und mit einem monumentalen Glockenturm versehen. Die Ideale der Einfachheit und Bescheidenheit, die die mönchische Kultur der Zisterzienser lange Zeit auszeichneten, waren in Salem weithin sichtbar passé. Der 1753 begonnene Turmbau prägte den Anblick des Klosters für einige Jahrzehnte.

Ansicht Kloster Salem, Aloysius Keller, 1798; Foto: Wikimedia Commons, Urheber unbekannt

Weiterhin zu erkennen: der monumentale Glockenturm des Münsters.

TURM UND GLOCKENSPIEL

Abt Anselm II. beauftragte Johann Caspar Bagnato mit der Durchführung des Turmbaus. Dieser errichtete einen Glockenturm, der das Münsterdach deutlich überragte. Der 64 Meter hohe Turm trug das größte Glockenspiel Oberschwabens – es war sogar das größte und umfangreichste nach einem Gesamtplan gegossene Geläut. Mit der Inschrift der Glocken wurde der bekannte Künstler Joseph Anton Feuchtmayer beauftragt. Der Münsterturm wurde mit einer vergoldeten Turmkugel gekrönt – mit diesem war der Turm rund 85 Meter hoch.

Salem von Süden, Carl Kuntz, 1822; Foto: Wikimedia Commons, Christian Haldenwang

Salems ländliche Idylle 1822 – der Turm wurde bereits vor 15 Jahren abgetragen.

DAS ENDE DES MÜNSTERTURMS

Nur knapp 50 Jahre bestand der imposante Münsterturm. Das Kloster Salem fiel zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Wirren von Säkularisation und Mediatisierung in die Hände Badens. Der Markgraf löste die Reichsabtei auf, die Mönche zerstreuten sich. 1807 begann man, den baufällig gewordenen Münsterturm abzutragen. Neun der 15 Glocken wurden anschließend verkauft. Die verbliebenen sechs fanden einen neuen Platz im 1808 errichteten Münsterturm – ein deutlich kleinerer Nachfolgebau.

Kloster und Schloss Salem, Klostermodell von Franz Beer; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Petra Gericke

Ein früher Entwurf Franz Beers mit einem deutlich kleineren Glockenturm.

SPUREN UND OBJEKTE DER ERINNERUNG

Zwar ist die Geschichte des mächtigsten Kirchenturm Oberschwabens schon über 200 Jahre vorbei, in Gemälden hat sich der Eindruck des markanten Münsterturms dennoch erhalten. Außerdem befindet sich im Klostermuseum ein älteres Modell Salems. Um 1700 schwebte dem Architekt Franz Beer noch ein deutlich kleinerer Münsterturm vor. Vom Vorgängerbau des weithin sichtbaren Turms sind noch der Münsterdachstuhl und die Ziegeleindeckungen erhalten. Diese können in der Münsterdachausstellung betrachtet werden.

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