Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Werbemotiv zum Projekt "Residieren, Restaurieren, Recyclen"

Recycling im DenkmalNachhaltig bauen im Monument

Das Bauwesen ist durch die Baustoffproduktion für 40 Prozent des weltweiten Kohlenstoffdioxidausstoßes verantwortlich. Um dem entgegenzuwirken, müssen mehr wiederverwendbare Baumaterialien und nachwachsende Rohstoffe genutzt werden – wie auch schon im 17. Jahrhundert in Kloster und Schloss Salem.

Kloster und Schloss Salem, Fenster der Münsters

Im Salemer Münster wurde wertvolles Baumaterial verarbeitet.

Nachhaltiges Umdenken

Seit vielen Jahren ist das Thema Nachhaltigkeit allgegenwärtig und bestimmt weite Bereiche der Politik, Wirtschaft und Kultur. Um die Umwelt zu schützen und ihrer Zerstörung entgegenzusteuern, findet daher in vielen Bereichen ein Umdenken statt. Prozesse, Materialien und Rohstoffe werden neu bewertet und es wird nach Lösungen gesucht, Dinge mehrfach zu verwenden oder ihnen durch gekonntes Recycling ein neues Leben zu schenken.

Kloster und Schloss Salem, Detail, Alte Ziegelsteine

Bei aktuellen Arbeiten werden auch historische Ziegel wiederverwendet.

Zu kostbar zum Wegwerfen

Dieser Leitgedanke begleitet die Menschheitsgeschichte bereits sehr lange – lediglich ihr Grund veränderte sich. Noch bis weit in das 20. Jahrhundert waren es in erster Linie wirtschaftliche Zwänge, die zu einer Nachnutzung von Baumaterialien führten. In Salem ist dieser wertschätzende Umgang mit der historischen Bausubstanz charakteristisch für den Wiederaufbau des 1697 abgebrannten Konventbaus. Die historischen Ziegel werden sogar heute noch bei Baumaßnahmen auf dem Klosterareal wieder eingebracht.

Kloster und Schloss Salem, Konventbau

Der heutige Konventbau wurde nach dem großen Brand 1697 neu errichtet.

Ein zweites Leben für Trümmersteine

Beim barocken Neubau des Konventbaus ab 1697 wurden unter anderem zahlreiche Trümmersteine der Brandruine etwa als Füllmaterial wiederverwendet. Das war praktisch, denn die Nachnutzung der Mauerziegel und Natursteine ersparte die teure Neuproduktion und den aufwendigen Transport. Auch aufwendig gestalteter Bauschmuck wie künstlerisch gestaltete Gewölbeschlusssteine und Skulpturenreliefe fanden dabei als sogenannte Spolien eine neue, aber unsichtbare Verwendung.

Kloster und Schloss Salem, Detail, Schlussstein eines Kreuzrippengewölbes

Auch kunstvoll verzierte Bausteine von Vorgängerbauten blieben so erhalten.

Versteckte Schätze aus alter Zeit

Immer wieder stoßen Archäologinnen und Archäologen bei Grabungen auf neue Funde. So auch im Fall eines rot verzierten Schlusssteins aus dem Kreuzrippengewölbe, der eindeutig dem Vorgängerbau zugeordnet werden konnte. Dieser wurde als Baumaterial für die Einfassung eines Wasserkanals zweitverwendet und erhielt damit eine neue Funktion. Spolien sind somit eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion der Bauentwicklung auf dem Klostergelände und geben Aufschluss über das technische Können der Bildhauer und den hohen Anspruch der Bauherren.

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In Folge des Großbrandes wurde das Abtei-und Konventgebäude abgerissen und der Neubau zwei Monate später gestartet.