Eindrucksvolles Zisterzienserkloster

Kloster und Schloss Salem

Detailbild des knienden Bernhards von Clairvaux aus der „Bernhardsminne“, Tafelbild in Kloster Bebenhausen, um 1485; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Armin Weischer
Gläubig, charismatisch und redegewandt

Bernhard von

Clairvaux

Als Abt des Klosters Clairvaux war Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) verantwortlich für die Ausbreitung des Zisterzienserordens in ganz Europa. So fiel auch die Gründung Salems 1137 in seine Wirkungszeit. Ein Standbild im Münster und der Bernhardusgang erinnern noch heute in Salem an den Ordensheiligen.

Darstellung des heiligen Bernhards als Initiale B, circa 1267-1276, Legenda Aurea (Keble MS 49, fol 162r); Foto: Wikipedia gemeinfrei

Bernhard von Clairvaux in einer Buchmalerei.

WIE KAM ER INS KLOSTER?

Geboren wurde Bernhard um 1090 auf einer Burg in Frankreich. Als dritter Sohn eines burgundischen Ritters war seine Laufbahn als Geistlicher vorbestimmt. Besonders seine Mutter legte Wert auf eine christliche Erziehung. Bernhard scheint schon in jungen Jahren eine starke Überzeugungskraft besessen zu haben, denn als er 1112 ins Kloster eintrat, hatte er Familienmitglieder und Freunde davon überzeugt, es ihm gleich zu tun. Er entschied sich für einen Eintritt in das 1098 gegründete Reformkloster Cîteaux.

Detail des Bernhardusmonuments in der Vierung des Salemer Münsters; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Merz und Wenger

Bernhard als Ordensheiliger, dargestellt mit Stab und Bibel.

WARUM HEISST ER „VON CLAIRVAUX“?

Eine bedeutsame Wahl: Denn in diesem Kloster wandten sich die Mönche gegen die Prachtbauten und Machtfülle der Benediktiner in Cluny. Sie forderten die Rückkehr zur strengen Einhaltung der Benediktsregel. 1114 legte Bernhard sein Ordensgelübde ab und schon ein Jahr später wurde er ausgesandt, um ein neues Kloster zu gründen: Clairvaux. Dieses Kloster, dessen Abt er bis zu seinem Tod 1153 blieb, sollte sich zur bedeutendsten und prägenden aller Zisterzienserabteien entwickeln. Im Jahr 1174 wurde Bernhard heiliggesprochen.

Ausschnitt aus einem der Gemälde im Bernhardusgang, Kloster Salem; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH&Co.KG, Anja Stangl

Szene aus dem Leben des Heiligen Bernhard.

MÖNCH ODER DIPLOMAT?

Grundlegender Zwiespalt seines Lebens war der Spagat zwischen seinem mönchischen Leben und der Außenwirkung als diplomatische Gestalt. 10 Jahre nach der Gründung Clairvauxs begannen die Aktivitäten Bernhards außerhalb seines Klosters und er bemühte sich um die Ausbreitung des Zisterzienserordens. Dadurch kam er mit verschiedenen geistlichen und weltlichen Persönlichkeiten in Kontakt, agierte als Vermittler beim Papstschisma und als Diplomat zwischen weltlichen Herrschern. So begab er sich beispielsweise 1146 zusammen mit dem Salemer Abt Frowin auf Reisen, um für die Teilnahme am Zweiten Kreuzzug zu werben.

Klosterkirche von Bebenhausen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer
Klosterkirche von Maulbronn; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer
Klosterkirche von Salem; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Hermann Böhne

Klosterkirchen der Zisterzienser im heutigen Baden-Württemberg.

WELCHE ROLLE SPIELTE BERNHARD FÜR DEN ZISTERZIENSERORDEN?

Bernhard und seine Predigten faszinierten so stark, dass sich der Orden innerhalb weniger Jahrzehnte über ganz Mitteleuropa ausbreitete. Zu seinen Lebzeiten wurden 343 Zisterzienserklöster gegründet. Beim Ausbau der Klöster hielt man sich an den „Bernhardinischen Plan“: Er sah vor, dass die Anlage von einem Gewässer durchflossen und die Bauten um den Kreuzgang herum gruppiert werden sollten. Die Klosterkirchen sollten innen schlicht und ohne Bauschmuck sowie ohne Turm ausgeführt werden, lediglich Dachreiter waren erlaubt. Ganz wesentlich waren die technischen Errungenschaften in der Landwirtschaft, durch die der Orden einen nicht geringen Anteil am Wohlstand der Zeit hatte. Insbesondere die kunstvolle Bewässerung mit Teichen und Kanälen, in der sich die Zisterzienser hervortaten, ist bis heute beeindruckend.

Detailbild des honigschleckenden Puttos im Salemer Münster; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Herrmann Böhne

Der Honigschlecker erinnert an Bernhards Redegewandheit.

WELCHE SPUREN IN SALEM ERINNERN AN BERNHARD?

Kloster Salem war die erste zisterziensische Gründung im nördlichen Bodenseeraum, die auf Bernhard zurückgingt. Im Münster, am südöstlichen Vierungspfeiler, steht das eindrucksvolle Standbild des großen Ordensgeistlichen. Am Sockel der Statue ist der „Honigschlecker“ zu sehen: eine Anspielung auf die Predigtkunst Bernhards, der für seine gewinnende Art des Redens den Titel „doctor mellifluus“, lateinisch für „honigfließender Gelehrter“, erhielt. Auch der Bernhardusgang, Ostflügel des Kreuzgangs, erinnert mit seinen Gemälden von Andreas Brugger an Bernhard von Clairvaux.

Blick in den Bernhardusgang, Kloster Salem; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Hermann Böhne

Im Bernhardusgang sind Szenen aus dem Leben des Ordensgründers Bernhards von Clairvaux zu sehen.

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