Eindrucksvolles Zisterzienserkloster

Kloster und Schloss Salem

Geregelt und umgangen

Fasten im Kloster

Seit dem frühen Mittelalter gab es nicht nur Ordensregeln für das Essen im Kloster, sondern auch Fastenregeln als Teil des christlichen Glaubens. Die Fastentage waren ebenso festgelegt wie die Lebensmittel, die dann verzehrt werden durften. Immer wieder wurden diese Regeln neu interpretiert.

Sommerrefektorium, Kloster Salem; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Hermann Böhne

Der Speisesaal der Salemer Mönche.

Bis zu 130 Fastentage im Jahr

Im Mittelalter waren die regelmäßigen Fastenzeiten genau festgelegt: Die Gläubigen sollten beispielsweise die 40 Tage vor Ostern, im Advent oder an den Vorabenden der wichtigsten Heiligenfeste sowie jeden Freitag und Samstag fasten. Hinzu kamen weitere außerordentliche Fastenzeiten, die öffentlich angekündigt wurden. Verlangt wurde an solchen Tagen Verzicht auf Alkohol und Fleisch, Verbot von Feldarbeiten, Verbot des Reitens und der Abwicklung von Handelsgeschäften vor Beendigung des Gottesdienstes. 

Wandgemälde im Bernhardausgang, Kloster Salem; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co.KG, Anja Stangl

Wandgemälde im Bernhardausgang

Vorschriften zum Fasten

Schon 590 verbot Papst Gregor I. (um 540–604) den Verzehr von warmblütigen Tieren in der Fastenzeit. Bis Ende des 15. Jahrhunderts waren Butter, Milch, Käse und Eier ebenfalls verboten. 1491 wurden die Fastengesetze erstmals etwas gelockert und Papst Julius III. (1487–1555) erteilte allen Christen Dispens für Butter bzw. Öl und Eier, Käse und Milch. Gemüse und Fisch dagegen waren erlaubt. Starkbier als Fastengetränk war in Klöstern normal, weil es den Mönchen die notwendige Energie für körperliche Arbeit zuführte.

Giebel über der Tür im Sommerrefektorium des Klosters Salem; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co.KG, Anja Stangl

Die Inschrift im Sommerrefektorium erinnert die Mönche, beim Essen dankbar zu sein, ganz gleich, wieviel auf dem Tisch steht.

Verbote machen erfinderisch

Die Klosterküche, die viele fleischlose Gerichte servierte, musste nicht nur die allgemeinen Fastenregeln, sondern auch die Ordensregeln beachten: Die Mönche sollten vor allem Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte essen, Fisch und Geflügel nur außerhalb der Fastenzeiten. Doch die Regeln ließen Interpretationen zu: Fische wurden zu Flussgemüse und Biber aufgrund ihrer Schwanzflosse zu Wassertieren. Bestes Beispiel für den geschickten Umgang mit Fastenregeln ist die Maultasche, die angeblich von Mönchen in Kloster Maulbronn erfunden wurde, um ein gutes Stück Fleisch in Teigtaschen verstecken zu können.

Mönche beim Fischen, Ofenkachel vom Ofen im Sommerrefektorium, Kloster Salem; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Mönche beim Fischen

Fische für die Mönche

Da viele Fastentage mit Fisch überbrückt wurden, stieg der Verbrauch an Fischen deutlich. Kloster Salem betrieb eine erfolgreiche Fischzucht, so dass häufig Karpfen, Hecht und Aal, Forelle, Saibling und Äsche auf den Speiseplan kamen. In hintereinander angeordneten Teichen wurden die Fische nach Alter, Größe und Art aufgezogen. Die abgefischten Tiere wurden bis zur Zubereitung in Fischkästen nahe der Klosterküche gehalten. Zusätzlich zu den eigenen Fischweihern verfügte Salem über Fischereirechte an Flüssen und am Bodensee.

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