Detail des Marienaltars im Klostermuseum von Kloster und Schloss Salem

Das erste Nachtbild in der deutschen Malerei

Der Marienaltar

Bernhard Strigel, Maler aus Memmingen, schuf 1507 einen Altar für die Marienkapelle in Kloster Salem. Das Meisterwerk aus der Zeit von Albrecht Dürer zeigt Szenen aus dem Marienleben und spiegelt 500 Jahre Klostergeschichte wider. Heute ist der Marienaltar im Klostermuseum zu besichtigen.

Mittelteil Marienaltar Salem

Wieder in Salem: Der Strigel-Altar.

Zurück in Kloster Salem

Von Anfang an hatte der Strigel-Altar seinen Platz in der Marienkapelle. Den Klosterbrand 1697 überstand das Kunstwerk unbeschadet. Seine Spur verliert sich nach dem Abriss der Marienkapelle um 1705. Bekannt ist nur, dass der Altar in mehrere Teile zerlegt worden war. Den Mittelteil hatten die badischen Markgrafen 1881 der „Alterthümersammlung“ in Karlsruhe geschenkt – das spätere Badische Landesmuseum konnte dann 1995 die vier Altarflügel erwerben. Heute sind alle Teile wieder vereint im Klostermuseum von Salem zu sehen.

Ausschnitt Strigel-Altar Salem

Die Geburt Christi.

Die Geburt Christi in dunkler Nacht

Bei geöffnetem Zustand zeigt der Altar auf der linken Seite die Geburt Christi. Eine Besonderheit ist die nächtliche Darstellung der Szene. Strigel hat sich bei der Lichtführung von niederländischen Künstlern inspirieren lassen. Das Licht geht vom Christuskind aus und erhellt in seinem Widerschein die umstehenden Figuren. Mit diesem kunstvollen Ausdruck schuf Bernhard Strigel das sehenswerte erste Nachtbild in der deutschen Malerei.

Der Kaiser als heiliger König

Auf der geöffneten rechten Flügelseite ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige dargestellt. Die mittlere Königsfigur, bekleidet mit wallendem goldenen Brokatstoff und schwarzem Barett, trägt die Gesichtszüge von Kaiser Maximilian I. (1459–1519). Wahrscheinlich sorgte der Auftraggeber des Altars, der Salemer Abt Johannes Scharpfer, dafür, dass der Kaiser abgebildet wurde. Damit betonte er die Verbundenheit von Kloster und Reich. Schließlich war die Zisterzienserabtei in weltlichen Fragen direkt dem habsburgischen Kaiser unterstellt.

Ausschnitt Strigel-Altar Salem

Zwei Szenen vom Marienaltar von Bernhard Strigel.

Ein bedeutender Maler aus Memmingen

Der aus Memmingen stammende Bernhard Strigel (1460–1528) war der Hofmaler Kaiser Maximilians I., von ihm stammen mehrere Porträts des Kaisers. Die Werkstätten seiner Familie prägten vom 15. bis 16. Jahrhundert die Memminger Schule und waren bis nach Rom bekannt. Der süddeutsche Maler wirkte während des Übergangs von der Spätgotik zur Renaissance. Seine Werke zeichnen sich durch Einflüsse der italienischen und niederländischen Kunstszene aus. Mit besonderen Kompositions- und Gestaltungsprinzipien ist der Salemer Marienaltar ein Glanzpunkt in Strigels Gesamtwerk.

Besuchen Sie das im September 2014 neu eröffnete Klostermuseum in Kloster Salem und bestaunen Sie den prachtvollen Marienaltar aus nächster Nähe.

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