Eindrucksvolles Zisterzienserkloster

Kloster und Schloss Salem

Früher speisen, heute beten

Das

Sommerrefektorium

Die Mönche speisten im prunkvoll verzierten Sommerrefektorium. Das Deckengemälde und die übrige Ausgestaltung zeigen Themen, die an die Funktion des Raumes und das Leben der Mönche erinnern. Heute wird der Raum von der evangelischen Kirchengemeinde als Betsaal genutzt.

Lesepultl im ehemaligen Speisesaal; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Anja Stangl

Von diesem Lesepult aus las ein Mönch beim Essen vor.

Schweigend essen

Küche und Refektorium waren wichtige Orte des zisterziensischen Alltags und lagen direkt am Kreuzgang. Rief die Glocke zum Essen, wuschen sich die Mönche zunächst die Hände und zogen dann in einer Prozession in den Speisesaal ein. Dort saßen sie an einer langen Tafel, der Abt mit seinen Gästen an einer anderen. Zum Tischdienst eingeteilte Mitbrüder reichten das Essen. Das Essen wurde schweigend eingenommen, nur ein Mönch stand Lesepult und las aus der Bibel vor.

Die lateinische Inschrift lautet: „Wenn es genug ist, was du ißt, nimm es dankbar, und gedenke der Armut, wenn es nicht genug sein sollte.“

Die Klosterküche

In der Wand des Refektoriums war eine Durchreiche direkt in die Küche, von hier wurde das Essen gereicht. In der Klosterküche bereitete man die Speisen für alle Klosterbewohner zu. Dabei wurde jede Woche ein Mönch zum Dienst eingeteilt und von Laienbrüdern unterstützt. Im Mittelalter waren die Küchen mit einem Wandkamin und einem zentralen Ofen mit ausladendem Rauchfang ausgestattet. Zudem lagen sie direkt an Frischwasserleitungen und Abwasserkanälen. In Salem befanden sich darüber hinaus unter dem Boden angelegte Fischbassins. Neben den Mönchen versorgte die Küche auch die Armen mit Essen.

Detail des prächtigen Ofens; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ortsverwaltung Salem

Ein Detail des Ofens zeigt die Mönche bei der Gartenarbeit.

Essen als Thema

Passend zur Nutzung des Raumes ist auch die Ausgestaltung des Raumes. Der voluminöse Deckenstuck von Michael Wiedemann thematisiert das Bedürfnis nach materieller und geistiger Nahrung. Akanthusranken, Blattwerk und üppige, von Putten gehaltene, Fruchtgirlanden umrahmen die Gemälde. Das monumentale mittlere Bild mit dem Abendmahl wird Johann Georg Glykher zugeschrieben. Die farbigen Kacheln des prächtigen Ofens zeigen Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie Szenen aus dem täglichen Leben der Mönche.

Neue Nutzung für den Speisesaal

Im 19. Jahrhundert erfuhr das Sommerrefektorium eine Umgestaltung. Seither nutzt die evangelische Kirchengemeinde Salems die Räumlichkeit als Betsaal. Dennoch wurde die Ausstattung des Innenraums kaum verändert und ist deshalb seit der Klosterzeit fast unverändert erhalten geblieben. Lediglich die Esstische mussten für Kirchenbänke und eine kleine Orgel weichen.

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